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Hüftschmerzen

Hüftschmerzen werden oft mit Arthroseschmerzen der Hüfte gleichgesetzt. Die Hauptursachen sind jedoch meist im Bereich zugehöriger Muskeln, Sehnen, Schleimbeutel und Nerven zu finden. Manchmal stimmt auch etwas nicht mit dem Kreuz, oder die Störung liegt außerhalb des Bewegungssystems


Die Hüfte hilft auch aus der Hocke hoch

Was ist die Hüfte überhaupt?

Wer das Tanzbein schwingt, „zeigt auch Hüfte“. Und das Hüftbein? Als paariger Knochen ist es Teil des Beckenrings. Mit seiner Hüftpfanne dient es der Verankerung des Oberschenkels am Rumpf. Der Kopf des Oberschenkelknochens und die Hüftpfanne bilden das Hüftgelenk. Der Oberschenkelknochen ist unser stärkster und längster Röhrenknochen. An seinem großen Rollhügel (Trochanter major) oben außen (wie auch unterhalb davon am Schaft) setzen Sehnen wichtiger Hüft- und Gesäßmuskeln an. Zwischen Knochen und Muskeln bzw. Sehnen liegen als Polster flüssigkeitsgefüllte Schleimbeutel. Die Umgebung des Hüftgelenks – vom Rollhügel am Oberschenkel und Beckenrand (oft gut tastbar ist der Beckenhöcker!) bis nach hinten zum seitlichen Gesäßrand – ist grob umrissen die Hüftgegend. In einigen Veröffentlichungen wird das Hüftgelenk dazugezählt. Da die von diesem Gelenk ausgehenden Schmerzen überwiegend in die Leiste, teilweise auch in den Oberschenkel oder in das Gesäß ausstrahlen, sind Hüftgelenkserkrankungen kein Schwerpunkt dieses Artikels, werden aber dennoch angesprochen.

Diagnose

Beim Gespräch mit dem Arzt ergeben sich meist schon Hinweise zur Schmerzursache. Überbelastung der Hüftmuskeln kann ein möglicher Auslöser sein, ebenso eine Sturzverletzung. Angeborene Fehlbildungen des Skeletts, frühere Erkrankungen und Operationen können auch im Nachhinein noch Beschwerden zur Folge haben. Zu den Kernfragen des Arztes gehört, ob der Schmerz ein- oder beidseitig auftritt und wann: Ist es ein Ruhe- bzw. Nachtschmerz, nimmt er bei Bewegung zu, oder ist er eher ein Anlaufschmerz? Begleitsymptome wie Gelenkschwellungen, Morgensteifigkeit, Fieber sind weitere Indizien.


Die körperliche Untersuchung folgt den Regeln, richtet sich aber auch nach der individuellen Probematik. Im Fokus: Körpergewicht, Statik und Form von Wirbelsäule, Becken und Gliedmaßen, klopfschmerzhafte Bereiche und „Schmerzpunkte“, Gangbild, Beweglichkeit und Belastbarkeit des Hüftgelenks, Längenvergleich der Beine, Muskelreflexe. Bei Bedarf werden technische Untersuchungen (Blutanalysen, bildgebende Verfahren) angeschlossen, um die Diagnose zu sichern.

Schmerzen über der Hüfte

Schleimbeutelentzündung (Bursitis trochanterica): Die als ziehend oder stechend empfundenen Schmerzen liegen über dem großen Rollhügel des Oberschenkelknochens. Sie setzen nach Belasten und Bewegen des Beines, bei chronischem Verlauf aber auch in Ruhe auf. Zur Entzündung kann es kommen, wenn die Sehnenplatte an der Außenseite des Oberschenkels, in die auch Sehnenstränge des großen Gesäßmuskels (Glutaeus maximus) einstrahlen, auf dem Knochen reibt und den direkt über dem Rollhügel liegenden Schleimbeutel reizt. Möglicher Auslöser ist Überbelastung des von vornherein viel beanspruchten großen Gesäßmuskels, ohne den beispielsweise Treppensteigen, Auftstehen aus der Hocke oder strammes Laufen nicht zu machen wären. Neben mechanischen Ursachen kommen auch bakterielle oder rheumatische Auslöser in Betracht. Bei bestimmten Stoffwechselerkrankungen, zum Beispiel Gicht, können Kristallablagerungen zu Schleimbeutelentzündungen führen. Auch nach Eingriffen an der Hüfte kann eine Bursitis aufreten. Bei der Behandlung muss also immer die Ursache berücksichtigt werden.

Schnappende Hüfte (Coxa saltans): Darunter versteht man ein normalerweise harmloses, manchmal hörbares Sehnenschnappen bei Beugung und Streckung des Hüftgelenks, also zum Beispiel beim Aufstehen aus dem Sitzen oder beim Kreiseln des Oberschenkels. Es entsteht, wenn die Sehnenplatte des Oberschenkels im Zuge des Vorwärtsgleitens am großen Rollhügel hängenbleibt und ihn dann „überspringt“. Zugrunde liegen können Beinlängenunterschiede, ein verdickter Rollhügel oder sonstige Formveränderungen am Oberschenkelknochen.
Die schnappende Hüfte kann auch zu einer Schleimbeutelentzündung am großen Rollhügel (Trochanter major; siehe oben) beitragen, beispielsweise bei intensivem Muskeltraining. In diesem Fall ist wegen der Schmerzen Schonung, gegebenenfalls auch ärztlicher Rat eines Orthopäden angebracht.

Bei der Meralgia parästhetica, einer Neuralgie, ist der seitliche Oberschenkel-Hautnerv entzündet. Ursächlich kann ein „Nerven-Engpass-Syndrom“ zugrunde liegen. Der Nerv steht dann entweder am Durchtritt im Leistenband oder von außen unter Druck. Neben Krafttraining können auch Fettmassen, hautenge Kleidung („Jeans-Krankheit“) oder Sicherheitsgurte zu Druckschäden führen. Die Folgen: brennende Schmerzen an der oberen Außenseite des Oberschenkels in Ruhehaltung, die sich bei längerem Gehen, Stehen oder Laufen verstärken und bei Hüftbeugung nachlassen. Sie können auch von Missempfindungen wie Ameisenlaufen oder Taubheitsgefühl der Haut begleitet sein. Die Neuralgie kann außerdem durch einen Diabetes (Diabetes mellitus Typ 1, Diabetes mellitus Typ 2) genauer: eine dadurch bedingte Nervenschädigung (diabetische Polyneuropathie), verursacht werden.
Die Behandlung richtet sich nach der genauen Ursache und sollte so früh wie möglich beginnen. Eventuell muss ein Neurologe hinzugezogen werden. Manchmal können die Beschwerden allerdings auch von selbst wieder abklingen.

Selten sind gut- oder bösartige Tumoren für Schmerzen in der Hüftgegend verantwortlich. Sie können sich beispielsweise im Knochen- oder Knorpelgewebe bilden. Möglich sind auch Tumorabsiedelungen bei Krebserkrankungen (Knochenmetastasen). Die genaue Schmerzlokalisation hängt vom Ort der Gewebeneubildung ab.

Vom Hüftgelenk ausgehende Schmerzen

Wie weiter oben erwähnt, treten Hüftgelenksschmerzen zwar auch an der Hüfte auf. Überwiegend werden sie aber als Schmerzen in der Leiste verspürt. Je nach Ursache können sie auch in den Oberschenkel, eventuell bis zum Knie, oder ins Gesäß ausstrahlen. Infrage kommen neben der Arthrose (Gelenkverschleiß) eine Hüftgelenksentzündung (Koxitis, bakteriell, rheumatisch oder durch andere Ursachen bedingt) oder eine Hüftkopfnekrose (Untergang des Knochengewebes am Gelenkkopf, Verformung des Hüftgelenks). Sonderfall gutartiger "Hüftschnupfen" (Coxitis fugax). Dahinter verbirgt sich eine vorübergehende Hüftgelenksentzündung bei Kindern. Auslöser sind Atemwegs- oder Magendarminfekte, die aber meist schon wieder vorbei sind, wenn die Hüftbeschwerden (starke Schmerzen in der Leiste und vorne am Oberschenkel bis zum Knie) einsetzen.
Auch Erkrankungen des Knochensystems wie Osteoporose (Knochenschwund, vermehrte Knochenbrüchigkeit), Osteomalazie (schmerzhafte Knochenerweichung im Erwachsenenalter infolge Vitamin D-Mangels) und der Morbus Paget (örtliche Verdickung und Verformung der Knochen durch vermehrten Knochenumbau; teilweise ziehende Knochenschmerzen und spontane Brüche) können das Hüftgelenk und / oder den Oberschenkelknochen mit einbeziehen.

Ursachen „am Rande“

Bei den anschließend genannten Erkrankungen liegen die Schmerzen vor allem im Kreuz- oder Gesäßbereich. Gelegentlich ist auch die Hüftgegend mitbetroffen.

An der Lendenwirbelsäule (LWS) dominieren Schmerzen durch akute oder chronische Überbelastung von Muskeln und Bändern. Auch Bandscheibenverschleiß spielt natürlich eine Rolle. Ein Bandscheibenvorfall kann ohne oder mit Beteiligung des Ischiasnervs einhergehen, also zu Kreuzschmerzen mit (Lumboischialgie) oder ohne Beinschmerzen (Lumbago oder Hexenschuss) führen. Gesäßschmerzen finden manchmal auch im Piriformis-Syndrom, eine andere Art von „Ischiasbeschwerden“, ihre Erklärung. Dabei ist der birnenförmige oder Piriformis-Muskel, ein innerer Hüftmuskel, der direkt über dem Durchtritt des Ischiasnervs vom knöchernen Becken zum Oberschenkel liegt, verdickt und bedrängt den Nerv. Angeschuldigt werden Über- oder Unterforderung des Muskels (zum Beispiel schweres Heben einerseits, überwiegend sitzende Körperhaltung andererseits) oder Druckbelastung (in der Tat sogar als Folge der Angewohnheit, die Geldbörse in der Gesäßtasche zu verstauen). Rheumatische Krankheitsbilder wie die ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew) kommen als Auslöser von Schmerzen mit Schwerpunkt LWS, Kreuz oder Gesäß ebenfalls in Betracht. Der Krankheitsprozess spielt sich vor allem an den Kreuzbein-Darmbein-Gelenken und an den Wirbeln ab. In der Regel wird er von weiteren Leitsymptomen wie (Morgen-)Steifigkeit der Lendenwirbelsäule, Gelenkschwellungen, Entzündung der Bindehaut oder Regenbogenhaut des Auges (oft einseitig, unter anderem mit einem roten Auge verbunden) und Störungen des Allgemeinbefindens begleitet. Auch ein entzündliches Muskelrheuma namens Polymyalgia rheumatica löst mitunter Schmerzen in der Hüftgegend aus. Die Erkrankung tritt hauptsächlich nach dem 50. Lebensjahr auf und betrifft Frauen deutlich häufiger als Männer. Im Rahmen der Erkrankung sind auch Entzündungen an den Schultergelenken, im Nackenbereich, an den Verbindungen zwischen Brust- und Schlüsselbein sowie an den Handgelenken und dadurch bedingte Schmerzen möglich. Außerdem treten mitunter Gefäßentzündungen auf. In der Folge können zum Beispiel Kopfschmerzen und Durchblutungsstörungen am Sehnerv auftreten. Daher bei ungewöhnlichen Muskel- oder / und Kopfschmerzen immer zum Arzt gehen, denn Gefäßentzündungen, gerade auch am Auge, müssen zügig festgestellt und behandelt werden.


Ursachen außerhalb des Bewegungssystems

Bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) vom sogenannten Aorten- oder Aorten-Beckentyp kann es je nach Ausprägung beim Gehen zu stechenden Muskelschmerzen im Hüftbereich, Oberschenkel und Gesäß kommen. Im fortgeschrittenen Stadium sind die Schmerzen dauernd vorhanden, also auch in Ruhe. Hauptursache der Gefäßkrankheit ist die Arteriosklerose (Gefäßverkalkung). Sie führt zu Verengungen oder Verschlüssen der Schlagadern, im vorliegenden Fall der Hauptschlagader und / oder der Beckenarterie(n). Die Gefäßschäden am Bein können verschiedene „Etagen“ bis zum Fuß betreffen. Risikofaktor Nr. 1 ist das Rauchen, schwerste Komplikation die Gliedmaßenamputation.

Die Fibromyalgie ist ein chronisches, komplexes Krankheitsbild mit nicht entzündlich bedingten, wechselnden Schmerzen der Muskeln und Gelenke. Im Zuge der Erkrankung können zahlreiche andere Symptome auftreten, die an die verschiendensten Krankheitsbilder denken lassen. Zugrunde liegt vermutlich eine gestörte Schmerzverarbeitung im Gehirn.

Therapie

Die Behandlung richtet sich bei jeder Erkrankung grundsätzlich nach der Ursache. Bei Problemen des Bewegungssystems spielen Physiotherapie sowie schmerz- bzw. entzündungshemmende Medikamente im therapeutischen Gesamtkonzept eine wichtige Rolle. Manchmal sind operative Maßnahmen oder aber die Betreuung durch Ärzte anderer Fachdisziplinen nötig.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



www.apotheken-umschau.de; 04.03.2009, aktualisiert am 19.01.2012
Bildnachweis: W&B/Berhard Huber

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