lebensgefährliches Krankheitsbild, das durch Ausschwemmung giftiger Substanzen nach Wiederherstellung einer unterbrochenen Durchblutung der Extremitäten auftritt.
Ursache: Das Tourniquet-Syndrom tritt am häufigsten nach Gefäßverletzungen oder einem Gefäßverschluss durch verschleppte Blutgerinnsel (Embolie) auf. Eine massive Einlagerung von Gewebswasser (Ödem) nach der Wiederherstellung der Durchblutung führt zur Schwellung der abgestorbenen Muskulatur, die auf die Gefäße drückt und dadurch die Durchblutung wieder verschlechtert. Neben den giftigen Stoffwechselprodukten, die während der Mangeldurchblutung im betroffenen Gefäßgebiet entstanden sind, gelangen auch Kalium und Myoglobin (Sauerstoff bindender Eiweißkörper des Muskels) aus den zerstörten Muskelzellen in großen Mengen in den Körperkreislauf.
Befund: Der Verlust des zirkulierenden Blutvolumens durch das Ödem führt zum Schock 3), die Giftstoffe schwächen das Herz und führen zu Herzrhythmusstörungen und Nierenversagen.
Behandlung: Wichtig ist eine vorbeugende Behandlung durch die rechtzeitige Wiedereröffnung eines verschlossenen Gefäßes, eine ausreichende Flüssigkeitsgabe und die medikamentöse Anregung der Wasserausscheidung (forcierte Diurese). Zur Druckentlastung werden die bindegewebigen Septen der Muskelkammern gespalten (Fasziotomie). Das Tourniquet-Syndrom ist ein lebensbedrohendes Krankheitsbild und erfordert eine intensivmedizinische Überwachung.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 09.12.2010
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