Erkrankung des Dickdarms und seltener auch anderer innerer Organe, die durch eine Infektion mit dem Darmparasiten Entamoeba histolytica ausgelöst wird. Die Amöbiasis ist eine der häufigsten Tropenkrankheiten.
Ursache: Der Erreger, Entamoeba histolytica (Ruhramöbe), ist v. a. in den Tropen und Subtropen heimisch, kommt eingeschleppt aber auch in unseren Breiten vor. Die Ansteckung erfolgt über mit der Zystenform verunreinigte Nahrung (z. B. Salate, Obst) bzw. Trinkwasser. Bereits die Aufnahme weniger Erregerzysten kann zur Infektion führen. Herkömmliche Methoden der Trinkwasserentkeimung, z. B. die Chlorierung, reichen nicht aus, um Amöben abzutöten. In tropischen Ländern sollten Reisende deshalb zum Trinken oder Zähneputzen nur Mineralwasser verwenden oder das Wasser mindestens 5 Min. abkochen. Im Dünndarm schlüpfen die Ruhramöben und besiedeln als nicht krankheitserregende Minutaform den Dickdarm. Aus unbekannten Gründen (in Diskussion sind z. B. Stress, Begleiterkrankungen, Virusbefall der Amöben) wandeln sich die Minutaformen in gewebszerstörerische Magnaformen um, die für die Krankheitserscheinungen verantwortlich sind.
Befund: Der Krankheitsverlauf ist sehr variabel, oft haben die Betroffenen kaum Beschwerden. 1–4 Wochen nach der Ansteckung kommt es zu dem als Amöbenruhr (auch Amöbendysenterie) bezeichneten Krankheitsbild mit Bauchkrämpfen, Fieber und breiigen Durchfällen mit glasigen Schleimflocken und Blutbeimengungen. Häufig bleibt es nicht bei diesem Erkrankungsstadium, die Durchfälle kehren nach beschwerdefreien Intervallen immer wieder, was als rezidivierende Amöbenkolitis bezeichnet wird. Bei der oft auftretenden extraintestinalen Form der Amöbiasis dringen die Erreger auch in andere Organe vor und verursachen eitrige Gewebeeinschmelzungen, die Amöbenabszesse. Meist ist davon die Leber betroffen, selten auch Milz, Gehirn oder andere Organe. Der Leberabszess geht mit Druckgefühl im Bereich der Leber und evtl. Fieber einher. Wird er nicht rechtzeitig erkannt, kann er zum Tode führen.
Behandlung: Durchfälle mit Blut- bzw. Schleimbeimengungen sollten grundsätzlich ärztlich abgeklärt werden, zumal auch an andere ernste Infektionen gedacht werden muss. Durch die medikamentöse Behandlung der Amöbenruhr oder -kolitis mit dem Antibiotikum Metronidazol heilt die Erkrankung rasch aus. Bei massiver Blutung oder Durchbruch von Abszessen können evtl. operative Maßnahmen notwendig werden.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 07.12.2010
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